Wie die Geschichte eines Brabanter Mystikers im Verborgenen verschwand

So etwas hatte es in den nüchternen Niederlanden noch nie gegeben: Einer jungen Frau floss Blut aus den Augen, weil sich Stigmata offenbarten. Diese Frau namens Janske identifizierte sich so mit Jesus Christus, dass die Wunden seiner Kreuzigung auf ihrem Körper erschienen. Gleichzeitig nannte sie sich seine Braut. Ihre Geschichte kam 1937 an die Öffentlichkeit und verursachte einen großen Zustrom von Ordensleuten in das brabantische Dorf Welberg, wo Janske lebte. Erst der Dorfpfarrer Adrianus Ermen erfuhr von Janskes mystischen Erlebnissen: den Erscheinungen von Maria und Christus und den Besuchen des Teufels. Er hat die Geschichte an die Presse weitergegeben.

Janske Gorissen in Stigmatisierung, mit der Dornenkrone Kopfwunden Jesu Christi.

Peter Jan Margry für NEMO Knowledge Link

„Als Ermen Janskes Zimmer betrat, roch er noch den brennenden Geruch der Anwesenheit des Teufels“, sagt der Ethnologe Peter Jan Margry. Er hat jahrelang im Archiv recherchiert und das Buch geschrieben feurige Liebe über die ‘blutige Braut von Welberg’. Dabei konnte er auf die zahlreichen Notizen von Pater Ermen zurückgreifen. Nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch Margrys Suche nach den Archivdokumenten verleiht dem Buch eine hohe Dan Brown-Qualität. Denn warum verschwand dieser Fall 1951 in einem Dreifachsafe und wurde so vertuscht?

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Leesvoer, ein Podcast über Bücher, handelt auch von „Fiery Love“ von Peter Jan Margry. Sie können die Folge unten oder im Apple-Podcast anhören oder Spotify. Die Podcast-Moderatoren von Leesvoer Martine Zeijlstra und Robert Visscher diskutieren einmal im Monat ein populärwissenschaftliches Buch unter dem Namen Weetvoer in Zusammenarbeit mit NEMO Kennislink.

Zustimmung von Musken

Die Frage stellte sich, als Margry in den 1990er Jahren in den Niederlanden Pilgerstätten erforschte, die in einem große Datenbank des Meertens Instituts. Um an die Archivdokumente von Janske Gorissen zu gelangen, ersuchte er mehrmals um Zugang zum Archiv der Diözese Breda – vergeblich. Der Durchbruch gelang im Jahr 2000, das von der katholischen Kirche zum Heiligen Jahr erklärt wurde und Margry ein Sabbatical in Rom verbrachte.

Er hatte einen Arbeitsplatz gefunden, an dem gelegentlich die niederländischen Bischöfe residierten. Und so fand er sich während eines Drinks plötzlich neben dem damaligen Bischof von Breda, Tiny Muskens, wieder. Er war sich der Sensibilitäten um die Janske Gorissen-Akte weniger bewusst als seine Vorgänger und gab Margry sofort die Erlaubnis, sie in diesem Heiligen Jahr einzusehen.

Rom im Lockdown

Der Forscher musste sich beeilen, denn Muskens erkrankte damals und es war unklar, ob die Erlaubnis auch unter seinem Nachfolger gültig bleiben würde. Die Besuche endeten mit einem kleinen Dämpfer, sagt Margry: „In Breda war alles vorhanden, aber der Abschlussbericht des Heiligen Offiziums, der ehemaligen Inquisition, fehlte. Ich fand einen leeren Umschlag: Der Bericht selbst befand sich in den Archiven in Rom, die für lange Zeit geschlossen bleiben würden.“

Dieser Rückschlag veranlasste Margry, sich bis ins Jahr 2019 auf andere Dinge zu konzentrieren. Papst Franziskus kündigte daraufhin an, die Archive in Rom aus der Kriegszeit vorzeitig zu öffnen, nämlich am 2. März 2020. Welbergs Akte ist öffentlich.” und flog Anfang März nach Rom, aber am selben Tag ging Italien wegen der Corona-Pandemie in den Lockdown: “Während der Vatikan schon komplett abgeschlossen war, durfte ich noch ein paar Tage durch eine Seitentür arbeiten. Ich habe alles gefunden.” Ich wollte sehen – einschließlich des Abschlussberichts.“ Die Quest wurde abgeschlossen.

Die Rolle des Pastors

Mit all diesen Archivdokumenten konnte Margry die immer geheim gehaltene Geschichte von Janske Gorissen rekonstruieren. Besonders die Aufzeichnungen von Pater Ermen waren entscheidend. „Der Detailreichtum ist so groß, weil so viel aufgenommen wurde und sehr verrückte Dinge passiert sind. Wenn man es liest, kann man kaum glauben, dass das passiert ist.“

Laut Margry lässt sich Ermen durch diese Notizen sehr gut betrachten. „Man sieht, dass er damit beschäftigt ist, ‚Phänomene’ zu erschaffen. Dieser Pastor hatte einen naiven Glauben an den Teufel und die Erscheinungen. Als er im Priesterseminar war, sagten es schon seine Kommilitonen: Wenn jemand eine Erscheinung hat, dann wird sie ihn begleiten. Er war sehr empfänglich dafür, also war es eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung.“

Gemälde von 1937 nach dem Erscheinen von Mutter (Maria) van Welberg an Janske.

Peter Jan Margry für NEMO Knowledge Link

Janske als Beichtmutter

Als die Geschichte 1937 bekannt wurde, wurden die Tore des Damms geschlossen. Große Gruppen von Ordensleuten reisten nach Welberg. „Eine mystische Gabe von Janske war es, in die Herzen der Menschen einzudringen und so zu sehen, ob sich die Menschen an die Gebote der katholischen Kirche hielten. Weil in den 1930er Jahren Abfall und Zweifel unter Priestern immer häufiger wurden, übernahm sie die Rolle einer Art Beichtmutter. Eine Position gegen die Lehren. Schwestern, die an der Keuschheit zweifelten, Pastoren und Kapläne, die das Zölibat nicht aufrecht erhalten konnten oder es umgingen und eine Beziehung pflegten, wandten sich alle an Janske, um Unterstützung zu erhalten.“

Normalerweise folgt auf mystische Offenbarungen eine gründliche Untersuchung der katholischen Kirche, wonach der Bischof eine Aussage über die Echtheit macht. Bei Janske ist das nicht passiert. Das liegt laut Margry auch daran, dass sie die Gabe hatte, Menschen auf den richtigen Weg zu führen. „Der Bischof von Breda war einmal in Welberg. Nachdem er sie gesehen und eine Stunde mit ihr gesprochen hatte, war er völlig überzeugt. Er sagte: Das ist so ein besonderer Mystiker, das haben wir noch nie gesehen.“ Es folgte keine umfassende Untersuchung.

Zur Aufrechterhaltung dieses „kollektiven Phantasmas“, so Margry, habe auch beigetragen, dass mystische Gestalten dieser Art im übrigen Europa regelmäßig auftauchten, die Niederlande aber nie darauf hereingefallen seien. Das hatte damit zu tun, dass sich die Katholiken den Protestanten etwas anpassen mussten. „Immer wenn verrückte römische Dinge passierten, protestierten sie. Gleichzeitig herrschte aber auch unter Katholiken in den Niederlanden ein enormer Hunger nach solchen mystischen Phänomenen. Die Katholiken hier waren sehr ernst in ihrem Glauben, katholischer als der Papst, und dachten, sie hätten manchmal eine Erscheinung verdient.“ Janske wurde daher schnell umarmt.

Ein klebriger Club

Währenddessen verweilte der Bischof und es wurde keine bischöfliche Verkündung gemacht. Der Kult geriet so außer Kontrolle, dass in Rom ein Hinweis auf das Heilige Offizium gegeben wurde. „Sie haben eine Handvoll Forscher geschickt“, sagt Margry, „aber alle kamen mit begeisterten Geschichten zurück.“

Auch im Vatikan gab es damals einen Niederländer, der dafür berüchtigt war, Menschen unter Druck setzen zu können. Es gelingt ihm schließlich, mit der anschließenden Verehrung kurzen Prozess zu machen. Als er 1946 in Welberg ankommt, ist er auf Anhieb erfolgreich, denn um den Janske- und Ermen-Kult ist eine Sektengruppe mit dem Namen „het clubke“ entstanden. „Als ‚Braut Christi’ bekommt Janske ständig Umarmungen und Küsse von Christus, die geteilt werden müssen. Es gibt sozusagen einen sehr klebrigen Club. Und zwischen dem Dorfpfarrer und dem Mystiker entwickelt sich zwischenzeitlich eine körperliche “feurige Liebe”. Schließlich gestehen sie dem niederländischen Delegierten aus Rom ihre Beziehung.“

Seit Jahrzehnten unberührt

In diesem Moment wird Ermen zur Rechenschaft gezogen und vorübergehend suspendiert. 1950 wurde der Abschlussbericht über Janske Gorissen fertiggestellt und die Akte vertuscht. Kardinal De Jong in Utrecht schrieb daraufhin einen geheimen Brief an alle Bischöfe in den Niederlanden, in dem er anordnete, alle diesbezüglichen Archivdokumente entweder zu vernichten oder der Diözese Breda zu übergeben, wo sie in einem Safe aufbewahrt werden, und niemals wieder zu verwenden. zu dieser Angelegenheit zu sagen. Eine komplette Vertuschung. In Welberg blieben die Leute staunen, ohne etwas zu wissen. Jahrzehntelang lag das Archiv unberührt – nicht einmal der Archivar durfte hinein – bis ich es sehen durfte.“

Das Trauma, das die katholische Kirche und die Welberger durch diese Ereignisse erlitten haben, scheint noch immer nicht ganz abgeklungen zu sein. Schon jetzt stellte sich heraus, dass der jetzige Bischof von Breda nicht bereit war, Margrys Buch entgegenzunehmen. Diese Rolle übernahm schließlich der Vikar der Diözese – der das Buch übrigens mit Lob entgegennahm. Und die Anziehungskraft mystischer Ereignisse wie in Welberg, die die katholische Kirche zur Spaltung brachten, ist nach wie vor präsent. Es gibt immer noch Menschen, die Maria oder Christus sehen oder Stigmata aufweisen.

mit seinem Buch Feurige Liebe. Das Geheimnis von Welbergs Blutiger Braut Margry möchte einen Einblick geben, wie auf lokaler Ebene Glaube geschaffen werden kann. „Weil die Leute so dringend wollten, dass dies in den Niederlanden passiert, gingen alle kritischen Fähigkeiten verloren und die Leute verfielen in ein kollektives Phantasma oder einen kollektiven Wahnsinn. Ich sehe dies als beispielhaften Fall für all die anderen Fälle von Stigmatisierung und Auftreten in der Welt bis hin zu Lourdes.“


Source: Kennislink by www.nemokennislink.nl.

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