Kunsthal erzählt mit „Deep in Vogue“ die dringend benötigte Geschichte der Ballsaalkultur

Die Ausstellung „Deep in Vogue“ öffnete an diesem Wochenende in der Kunsthal in Rotterdam ihre Pforten. Wer denkt, er kommt nur, um schöne Bilder zu sehen, der irrt. Die Ausstellung zelebriert Ballsaalkultur und kontextualisiert eine Subkultur, die von und für queere und transgender Menschen, Schwarze und Farbige, gebildet wird. Die Verbindung mit der Modewelt war für FashionUnited zunächst der Hauptgrund für einen Besuch, doch am Ende ging es um so viel mehr. „Deep in Vogue“ ist für viele eine dringend benötigte Lektion und gibt der Geschichte der Ballsaalkultur so viel mehr Ebenen. Spoiler-Alarm: Es ist mehr als nur voguing.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Amber Vineyard, de Mutter des ersten niederländischen Ballsaalhauses House of Vineyard. Sie kümmert sich zusammen mit Hausmitglied An Vater Elly gibt auch die Tour während der Pressevorschau. Ballroom-Kultur ist in den letzten Jahren zunehmend in den Medien angekommen, auch dank der Netflix-Serie Pose. Die Serie zoomt wie die Ausstellung auf die Häuser, die Bälle und das Voguing. Die Ausstellung gibt all diesen Themen mit Videos, Fotos und einigen Modeartikeln einen Platz in verschiedenen Räumen.

Die Ausstellung beginnt mit dem Raum über den Häusern, während im Hintergrund bereits einige Sounds aus vielversprechend klingenden Videos zu hören sind. Diese Häuser sind die selbstgewählten Familien der Ballsaalkultur. Die Kultur hat ihren Ursprung in den 1970er Jahren im New Yorker Stadtteil Harlem. Schwule und Transgender-Frauen, sowohl schwarze als auch farbige, sind sowohl außerhalb als auch innerhalb der LGBTQIA+-Community Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Die Häuser fungieren als ihre Familie und geben ihnen bei Bedarf einen sicheren Ort. Es ist nicht undenkbar, dass Menschen damals und auch heute wohnungslos bleiben, wenn die sexuelle Präferenz oder die Geschlechtsidentität bekannt wird.

Auffällig im Ausstellungsraum ist, dass die Namen dieser Häuser oft mit Mode zu tun haben. Sie haben House of Mugler, House of Dior, House of Chanel und House of Saint Laurent. Vineyard erklärt während der Tour, dass die Ballsaalkultur nicht ausreichend dokumentiert ist. Viele der Informationen in „Deep in Vogue“ wurden durch Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten der Gemeinde gewonnen. Der Grund, warum viele der Häuser mit Modehäusern verbunden sind, wurde nie aufgeschrieben, aber Vineyard schafft es schnell, eine Erklärung zu liefern. Die Häuser sind hauptsächlich nach den Müttern des Hauses benannt. Einer der Ballroom-Pioniere ist beispielsweise Octavia Saint Laurent. Vor allem in den 1990er Jahren galten die Supermodels als Inbegriff der Schönheit. Diese Supermodels waren ein Beispiel, ein Wunsch vieler Mitglieder der Community. Viele strebten nach einem Platz in der Modebranche, aber aufgrund ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung gab es keinen Platz für sie. Die Ballsaalkultur war eine Welt, in der jeder sein konnte, was er wollte. Dies ist einer der Gründe, warum die Namen der Häuser eine modische Wendung bekamen.

Legendäres Dee Vermächtnis, Haus von LaBeija ‘Kilimanjaro Ball’. New York, September 1990. Foto © Chantal Regnault

Ausstellung ‘Deep in Vogue’ ist mehr als das Betrachten von Bildern, sie öffnet die Augen

Die Tatsache, dass die Gesellschaft queeren Männern und Transgender-Frauen wenig Raum bot (und bietet), ist der Grund für die Gründung von Bällen. Ein sicherer Ort, an dem diese Mitglieder das sein könnten, was die Gesellschaft ihnen verboten hat. Denken Sie zum Beispiel an die Kategorie „Executive Realness“ (CEO eines großen Unternehmens zu werden schien damals ein ferner Traum) oder „Femme Queen“ für Transgender-Frauen. Die Bälle haben verschiedene Kategorien, in denen die Häuser ihre talentiertesten Mitglieder zeigen. Laut Vineyard gibt es mittlerweile mehr als 60 Kategorien in der europäischen Szene. Wo es einst mit „Face, Body, Fashion, Realness“ und der Kategorie Femme Queen für Transgender-Frauen begann, folgten bald Crossovers, ganz zu schweigen von der Kategorie „Performance“. Beeindruckende Bilder dieser Bälle und ihrer Kategorien sind im zweiten Raum zu sehen. Die Ausstellung hier zoomt auf die Entstehung des ersten Balls und erzählt diese Geschichte in Videos, aber auch Chantal Regnaults markante Schwarz-Weiß-Fotos geben einen intimen Einblick in die Welt der Ballsaalkultur. Wer sich kurz auf einem Ball vorstellen möchte, kann die Halle über einen Laufsteg mit allen möglichen wichtigen Begriffen aus der Community betreten. Auf diese Weise gehst du herum, ‘besitze es’, ‘trage’ und ‘gib uns Gesicht’. Während der Pressevorschau laufen Amber und Elly stolz über den Laufsteg und verschiedene geladene Pressevertreter folgen, manchmal zögerlich, mit ihrem Spaziergang.

Der legendäre Voguer Willi Ninja in Thierry Mugler-Kleidung. New York, Juni 1989. Foto © Chantal Regnault

Der dritte Raum ist wohl der Raum, für den die meisten Menschen in die Ausstellung kommen: die Mode. Für diejenigen, die das Phänomen nicht kennen: Voguing ist ein Tanzstil, der mit der Gesellschaftskultur verbunden ist. Entgegen der landläufigen Meinung hat das Voguing nicht unbedingt seinen Ursprung in der Ballsaalkultur, geschweige denn in einem von Madonna für ihren Song „Vogue“ kreierten Tanz. Wie bereits erwähnt, ist nicht genau geklärt, wie das Voguing entstanden ist. Elly erklärt, dass die am meisten akzeptierte Geschichte ist, dass sie aus einem Gefängnis stammt, in dem es keine Unterhaltung gab. Hier ahmten die Gefangenen die Posen aus der Vogue bestmöglich nach, was später bei den Bällen vertont wurde. Durch die Vertonung dieses Posings entstand schließlich der Tanzstil, den wir als Voguing kennen. Es zeigt, dass die Modewelt stark mit der Ballsaalkultur verflochten ist, ohne sich dessen lange bewusst zu sein. Die fünf Elemente des Voguing sind anhand einer Videoinstallation zu sehen. Voguing kennt sich mit „Hands Performance“, Catwalk, Duckwalk, Spins & Dips und Floorwork aus. In den Videos sind mehrere Mitglieder des House of Vineyard zu sehen. Ihr gegenüber hängt ein Video von Willi Ninja, dem Paten der Voguing.

Zu guter Letzt sind natürlich die Outfits. Nicht nur die Kategorie „Fashion“ und die verschiedenen Unterkategorien wie „bizarre“ drehen sich um Mode, in jeder Kategorie möchte jeder am besten aussehen und das Kleidungsstück muss dabei helfen. ‘Deep in Vogue’ zeigt verschiedene Outfits verschiedener Kategorien. Das abschließende Outfit der Ausstellung ist das Herzstück und ehrt die Ikonen der Ballsaalkultur. Leider sind viele Ballsaalpioniere nicht mehr da, um ihre Geschichten zu erzählen, aber „Deep in Vogue“ gibt dem Besucher sicherlich eine Einführung und eine Lektion in der Bedeutung dieser Gemeinschaft. Ballroom bietet Menschen, die täglich Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt sind, eine Welt, in der sie ganz sie selbst sein können. Im Rahmen von „Liebe deine Nachbarn“ sollte ein Besuch bei Deep in Vogue Pflicht sein.


Source: fashionunited.nl by fashionunited.nl.

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