„Fünfzig Pflanzenarten können problemlos auf einem Stück Bürgersteig leben“

Den roten Sporn, das Schöllkraut und die haarige Knollenkraut, über die man wahrscheinlich jeden Tag achtlos hinwegsteigt, ohne sie anzusehen. Unkraut? Nein, sagt Nienke Beets, Doktorandin an der Universität Leiden. Diese sogenannten Gehwegpflanzen sind äußerst wertvoll für Mensch und Natur. „Wenn man an diese Art von Stadtpflanzen denkt, sieht man, wie schön sie sind. Ob Frühling oder Herbst, es blüht immer etwas“, sagt Beets.

Eine grünere Stadt

Bei Rüben geht es jedoch nicht nur um die Schönheit der Pflanzen. Auch Pflasterpflanzen spielen in der Stadt eine wichtige Rolle: Sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, sorgen für Kühlung, halten Feinstaub zurück, erhöhen die Biodiversität und halten den Boden luftig, damit Regenwasser leichter abfließen kann. „Außerdem bauen Pflanzen Stress ab und fördern das menschliche Wohlbefinden.“ Ja, das gilt sogar für die kleinen Pflanzen, die wir Unkraut nennen. „Stadtpflanzen wachsen in der ganzen Stadt. Zusammengenommen ist das eine ziemliche Oberfläche. Außerdem geht es nicht nur um winzige Pflanzen, manche Gehwegpflanzen werden bis zu zwei Meter hoch.“ Solche Pflanzen bieten auch Insekten und kleinen Säugetieren Nahrung und Unterschlupf.

„Letztendlich wollen wir die Stadt grüner und besser für Mensch und Natur machen“, sagt Beets. Dies ist besonders wichtig angesichts des sich ändernden Klimas und der steigenden Temperaturen in den Städten. „Städte haben vor allem abgegrenzte Pflanzflächen wie Parks. Eine gute Möglichkeit, Städte grüner zu machen, besteht darin, ein grünes Netzwerk zu schaffen, das mit der Stadt verflochten ist.“

Gehwegpflanzen können dabei ein wichtiger Bestandteil sein, denkt Beets. „Wenn wir von Biodiversität sprechen, denkt man schnell an Wälder oder einen Regenwald, aber auch fünfzig Arten von Gehwegpflanzen leben auf einem Stück Gehweg.“ Zumindest, wenn die urbane Flora die Chance dazu bekommt. Derzeit halten Kommunen ihre Gehwege mit Dampf, Kehrmaschine und Brenner sauber, was den Pflanzen nicht gut tut. Deshalb würde der Leidener Biologe die Dinge lieber anders sehen. „Sobald wir wissen, welche Gehwegpflanzen an unterschiedlichen Orten in der Stadt wachsen, wollen wir Kommunen entsprechend beraten, damit die Stadtpflanzen so gut wie möglich erhalten bleiben.“

Gehwegpflanzen als Werkzeug

Gehwegpflanzen haben ein verborgenes Talent: Sie dienen als Maß für die menschliche Aktivität. An Orten, an denen Menschen regelmäßig gehen oder Auto fahren, erleiden die Pflanzen zu viel Schaden und haben keine Chance zu wachsen. „Auf diese Weise dienen Gehwegpflanzen als Gradmesser für Menschenmengen in verschiedenen Stadtteilen“, erklärt Beets. „So etwas kann man auch gezielt anwenden, zum Beispiel auf Parkplätzen.“ Durch die Verwendung spezieller offener Fliesen, in denen Gehwegpflanzen leicht wachsen können, kann die Gemeinde leicht messen, ob ein Parkplatz ausreichend genutzt wird oder nicht.

Die blau-lila Blume des Gehweg-Pflanzen-Feldschnellers.

Online-Fotobibliothek

Da die Kategorisierung jeder Gehweganlage in den Niederlanden eine immense Aufgabe ist, ruft Beets die Bürger zur Mithilfe auf. Die Idee ist, dass sie mit ihrem Tablet oder Telefon ausgehen und auf einer speziellen Website die Pflanzen der Stadt betreten, denen sie begegnen. „Dafür muss man eigentlich nur aus der Haustür treten“, sagt Beets. „Aber natürlich kann man auch an eine besondere Location gehen“. Sie tragen die Pflanzen, die die Citizen Scientists auf der Website vorfinden, mit Datum und Ort ein. Um der Pflanze den richtigen Namen zu geben, hat Beets ein Online-Fotobibliothek erstellen. „Es enthält Fotos von 52 gängigen Gehwegpflanzen, sortiert nach der Farbe der Blüten.“

Für Menschen, die weniger Talent zum Erkennen von Pflanzen haben oder weniger Geduld haben, gibt es eine alternative Methode: „Man macht einfach ein Foto von der Pflanze und lädt es auf der Website hoch. Der Computer erkennt die Anlage dann automatisch.“ Auf diese Weise hofft Beets, eine vernünftige Datenbank zu schaffen, die ihr einen guten Überblick darüber gibt, welche Gehwegpflanzen in den Städten und Dörfern wachsen und wo sie sich genau befinden.

Nachdenken über Forschungsfragen

Dies ist nicht das erste Mal, dass Bürger die Wissenschaft vorantreiben. Denken Sie an den National Bee Count und den Garden Bird Count. Obwohl der Begriff Citizen Science (auch bekannt als Bürgerwissenschaft) ist relativ neu, das Phänomen selbst gibt es schon seit einiger Zeit. Im 17. Jahrhundert entdeckte beispielsweise der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek mit seinem selbstgebauten Mikroskop Mikroorganismen.

Dennoch gibt es eine gewisse Skepsis gegenüber Citizen Science. „Manche Wissenschaftler zögern, weil die Bürger keine ausgebildeten Forscher sind. Sie haben Angst, dass die Bürger zu viele Fehler machen“, sagt Beets. Obwohl die Leidener Biologin diese Angst versteht, sieht sie vor allem die Vorteile, die Bürgerinnen und Bürger in die Forschung einzubeziehen. „Vergessen wir nicht, dass wir (Wissenschaftler, Anm. d. Red.) bei der Forschung manchmal Fehler machen. Ich selbst kenne zum Beispiel nicht alle 1300 Arten von Gehweganlagen in den Niederlanden; Manchmal muss ich Pflanzen in einer Anleitung nachschlagen. Ich glaube, wenn Sie Bürgern gute Instrumente für eine Untersuchung an die Hand geben, sind sie ein unschätzbarer Partner.“

Bei Bürgerbefragungen nutzen Wissenschaftler häufig Teilnehmer, um Daten zu sammeln oder zu analysieren. Das will der Leidener Biologe anders angehen. „Ich möchte die Teilnehmenden aktiv in den Forschungsprozess einbeziehen und sie auf neue Forschungsfragen bringen lassen, die wir dann gemeinsam angehen.“ Zu diesem Zweck wird Beets künftig eine Fokusgruppe einrichten, in der sie mit interessierten Citizen Scientists ihre Fragestellungen im persönlichen Gespräch diskutieren wird. „Es wird eine ausgewählte Gruppe sein, die daran interessiert ist. Die Gehweg-Pflanzenforschung ist für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Möglichkeit, auf barrierefreie Weise an der wissenschaftlichen Forschung teilzunehmen und die Pflanzen auf ihrem Gehweg kennenzulernen. Ich hoffe, dass die teilnehmenden Niederlande bald mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die schöne Stadtflora haben.“

Die Blüte des haarigen Knubbelkrauts. Diese Pflanze, eine der häufigsten Gehwegpflanzen in den Niederlanden, verdankt ihren Namen den Haaren an den Seitenästen und dem oberen Teil des Hauptstamms.


Source: Kennislink by www.nemokennislink.nl.

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