Der winzige Staub namens Erde

In Fraction of a Pixel entführt George van Hal den Leser in den Weltraum.

„Schau dir diesen Punkt noch einmal an. Das ist hier. Das ist Heimat. Das sind wir. Auf ihr leben alle, die du liebst, alle, die du kennst, alle, von denen du jemals gehört hast, jeder Mensch, der jemals existiert hat.’ Mit diesen Worten führte der amerikanische Astronom und Fernsehstar Carl Sagan die Hellblauer Punkt-Foto, das Voyager 1 1990 aufgenommen hat. Die Erde erscheint dann als blassblauer Punkt, kleiner als ein Pixel. Im Jahr 2013 replizierte die Raumsonde Cassini diese Übung aus der Umlaufbahn um Saturn.

Wir würden hier an unserer blassblauen Spitze fast vergessen, dass es in alle Richtungen einen immensen Raum gibt – bis zu zig Milliarden Lichtjahre tief. Dieser Kosmos bildet die Kulisse für das Buch des Wissenschaftsjournalisten George van Hal van de Volkskrant. Damit will er sich von der irdischen Hektik distanzieren und dem Leser ein „Gegenmittel für das heftige Jetzt“ geben, heißt es im Begleittext. Van Hal liefert ein flottes Buch voller heroischer Raumfahrtgeschichten und spannender Wissenschaft. Das bringt nicht viele neue Erkenntnisse, aber dieses Buch kann Ihnen in den dunklen Monaten der Pandemie mit einer wirklich breiten Perspektive helfen.

Aus dem Pixel

Im Wesentlichen lag Sagan – dessen Zitat oben im ersten Kapitel zitiert wurde – falsch. Seit den 1960er Jahren wurden etwa 600 Menschen von unserem Planeten ausgelöscht. Van Hal wählt für die ersten Kapitel eine Reihe epischer Raumfahrtgeschichten aus. Von der aufregenden Mondlandung von Apollo 11 im Jahr 1969, bei der Kapitän Neil Armstrong den Mondlander mit fast leerem Treibstofftank über mehrere große Felsen manövriert, bis hin zur fast tödlich beendeten Apollo 13-Mission. Mit Erfindungsreichtum und einer guten Portion Glück kehrten die drei Astronauten lebend zur Erde zurück. Die Raumfahrtbehörde NASA hat die Geschichte in ein Heldenepos verwandelt.

Dann geht es in dem Buch um die ferne Raumfahrt, bei der man lieber keine Menschen mitnimmt. So schießen mittlerweile etliche (unbemannte) Raumsonden auf den Nachbarplaneten Mars, aber auch andere Planeten können auf Besucher zählen: von der sengend heißen (und kalten) Kugel Merkur bis zu den fernen Gasriesen wie Uranus und Neptun. Van Hal zeigt, dass bei diesen Weltraumreisen so gut wie nichts dem Schicksal überlassen wird und die Vorbereitungen locker zehn Jahre dauern können. Addiert man noch eine Reisezeit von zehn Jahren und eine Missionsdauer von zehn Jahren, kommt man zu dem Schluss, dass eine einzige Weltraumreise das Lebenswerk der beteiligten Ingenieure ist. Eine Karriere für eine epische Weltraumreise: Sprechen Sie über die Leere.

Ein weiter Blick ins Universum. Das sogenannte eXtreme Deep Field-Bild des Hubble-Weltraumteleskops.

NASA/ESA/G. Illingworth, D. Magee und P. Oesch von der University of California, Santa Cruz/R. Gebäude der Universität Leiden/HUDF09-Team

Dann nimmt dich Van Hal an die Hand, viel tiefer ins Universum. Durch die Milchstraße, die aufgrund der Entdeckung der Groninger Astronomin Amina Helmi aus einer Kollision zweier viel älterer Galaxien zu bestehen scheint. Im äußeren Bereich der Milchstraße drehen sich noch immer viele Sterne einer dieser ursprünglichen Galaxien. Natürlich darf auch das 2019 so spektakulär fotografierte Schwarze Loch nicht fehlen. Der Nimwegener Astronom Heino Falcke spielte bei diesem Projekt eine führende Rolle. Van Hal eröffnet ein Buch darüber, wie diese Zusammenarbeit, manchmal mit einigem Tauziehen, zustande kam.

Als Türsteher zeigt Van Hal, dass sich die Astronomie in einer fast monumentalen Krise befindet. Aus wissenschaftlicher Sicht wirft beispielsweise das neu fotografierte Schwarze Loch einige Probleme auf: Es ist ein Ort, an dem die vom Menschen aufgestellten Naturgesetze wie die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie keine guten Vorhersagen mehr treffen . Ganz zu schweigen von den riesigen Mengen an dunkler Materie und dunkler Energie im Universum. Basierend auf den Bewegungen von Galaxien schließen Astronomen, dass es dort sein muss, aber sie tappen im Dunkeln, was es ist.

Das (un) Überschaubare

Das Verfassen eines populärwissenschaftlichen Buches können Sie natürlich auch einem Wissenschaftsjournalisten überlassen. Van Hal liefert ein Buch, das sich wie ein Zug liest und voller spannender Geschichten und gelungener Analogien steckt. Viele Themen werden behandelt, von den Apollo-Missionen bis zu Schwarzen Löchern, von den schönen Bildern des Hubble-Teleskops bis hin zu Wurmlöchern und Stringtheorie. Nachteilig ist auch die Vielzahl der Motive, da es etwas an Fokussierung fehlt. Dies wird durch die vielen Kästchen im Text noch verstärkt.

Ich würde dieses Buch auch niemandem empfehlen. Wenn Sie die Wissenschaftsnachrichten genau verfolgen, lesen Sie nicht so viele Nachrichten. Die Geschichten zum Beispiel von den Mondlandungen und Apollo 13 sind oft erzählt worden. Dies ist vielleicht eine etwas lahme Kritik, denn dieses Buch besteht aus Zeitungsartikeln. Aber seien Sie als Weltraumfan und Astronomie-Enthusiast gewarnt.

Was ist mit dieser kosmischen Perspektive, die uns der Autor verspricht? Neben dem Eröffnungskapitel über das „Pixel“, das unsere Erde ist, werden die Themen in der zweiten Hälfte des Buches – wenn Van Hal uns in die Tiefen des Universums entführt – immer „größer“. Dort driften wir weit weg vom irdischen „Rummel“. Auch hier ist der Autor am meisten in seinem Element: wenn es um Dunkle Materie und die beschleunigte Expansion des Universums geht. In der Erläuterung der sonst kaum verständlichen Theorien des Physikers Erik Verlinde zeigt Van Hal seine größte Stärke: dem Laien das kaum schmeckbare auf schmackhafte Weise zu servieren.

George VanHall, Bruchteil eines Pixels, Verlag Nieuwezijds, 200 Seiten. 18,95 EUR, ISBN: 9789057125614. Mehr Infos & Bestellung.


Source: Kennislink by www.nemokennislink.nl.

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